Gottesdienst Predigt 21.11.2018

Predigt zu Offenbarung 3,14–22 – Pastor Henning Hinrichs

 

 

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.
Liebe Gemeinde,
manche Abschnitte der Bibel werden hartnäckig falsch verstanden. Dazu gehört auch unser heutiger Abschnitt. Seine Worte wurden und werden gerne so verstanden, als ob es um einzelne Personen ginge, deren persönlicher Glauben jetzt von Gott geprüft würde. So heißt es in der Offenbarung des Johannes (Offb. 3,15), gesprochen aus der Sicht Gottes: Ich kenne deine Werke und weiß, dass du weder kalt noch warm bist. Ach, dass du doch entweder kalt oder warm wärst!
Nicht dass es nicht gut wäre, diese Worte einmal persönlich zu verstehen und sich selbst zu fragen: Wie steht es um mich? Ist mein Glaube noch lebendig? Oder bin ich gleichgültig geworden, innerlich irgendwie lau, nicht mehr auf der Suche, ohne Leidenschaft und Feuer oder Klarheit, Festigkeit?
Aber das ist nicht das erste Anliegen dieser Worte. Gemeint ist die Gemeinschaft, die ganze Gemeinde angeredet. Und als solche sollen wir sie hören: Wir alle sind gemeint, wie wir zusammen wirken.
Wo sind bei uns die Lauheiten, wo es kaum mehr brennt oder wärmt, auch nicht mehr klar und fest ist?
Vielleicht kommt dieses weder warm noch kalt ja dann, wenn es einem zu gut geht. Die Älteren unter Ihnen werden den Namen Ludwig Erhard noch gut kennen. Er gilt als der Erfinder der sozialen Marktwirtschaft und Begründer des deutschen Wirtschaftswunders nach dem Zweiten Weltkrieg. Von ihm soll folgender Ausspruch stammen: „Ich wollte den Leuten die Taschen füllen. Aber ich habe nicht geahnt, dass dadurch die Herzen leer werden."
Die vollen Taschen machen etwas mit uns, mit den Menschen und mit unserem Land als Ganzes, und auch mit den Gemeinden in unserer
Kirche.
Wer Geld hat, stellt Leute ein, die eine Aufgabe erfüllen. So entstanden die vielerlei Einrichtungen, auch kirchliche: Beratungsstellen, Anlaufstellen, überall konnten bezahlte Stellen eingerichtet werden für Familien, Jugendliche, Alte, sozial Gefährdete, Geschiedene, Schwangere, Drogensüchtige und und und. Ein Segen!
Aber auch mit einer negativen Folge. Für fast alles gibt es nun einen Spezialisten. Aber die Verantwortung eines jeden Einzelnen nimmt dadurch ab. Sollen es doch die Spezialisten machen, dafür bezajlen wir Steuern. Im Einsatz für den Nächsten führt eine solche Haltung manchmal zur Lauheit. Auch was den Glauben betrifft. Für den Glauben ist der Pastor zuständig, er wird bezahlt über die Kirchensteuer. Wichtig dass er den Gottesdienst hält, aber hingehen muss ja nicht sein.
Aber auch umgekehrt. Gerade die jungen Pastoren sind manchmal überraschen blind für das Leiden in der Gesellschaft, sie ziehen sich oft genug auf ihre gottesdienstliche Funktion zurück. Wir haben doch die Hausaufgabenhilfe, den Förderkreis, eine Diakonin oder die diakonsichen Einrichtungen im Kirchenkreis – gehen sie mal da hin. Wenn Sie beten wollen, bin ich für Sie da!
Wie steht es im Predigtabschnitt? Wie sieht es Gott? Du sagst: ich bin reich und habe alles genügend, ich brauche nichts mehr dazu – aber du bist doch arm! (V. 17).
Reichtum und Armut - das alles ist in den Augen Gottes keine Frage des Geldes. Reich oder arm - für eine Gemeinde ist das die Frage nach ihrem inneren Reichtum an solchen Menschen, die im Vertrauen auf die Gaben des Heiligen Geistes miteinander wirken, zum Lob Gottes und in der Liebe zu den Menschen.
Der Rat Gottes? Johannes schreibt es mit bildlichen Worten, aus der Sicht Gottes gesprochen: Ich rate dir, dass du von mir Gold kaufst, ... weiße Gewänder ... und Augensalbe. (V. 18). Natürlich können wir nicht mit Gott Handel treiben, zu ihm hingehen und bei ihm wie in einem Laden einkaufen. Das kann nur symbolisch verstanden werden.
Was ist gemeint? Mit Gold und mit weißen Gewändern sind die Gaben des Glaubens gemeint. Die Gnade, Barmherzigkeit Gottes, Vergebung und neues Leben. All das, für das Jesus eingetreten ist, was er den Menschen nachbringen wollte, so zu leben: Lebe die Liebe zu Gott, und genauso die Liebe zu deinen Nächsten, und genauso die Liebe zu dir selbst.
Und es reicht nicht, wenn einzelne das versuchen. Das Ziel einer Kirchengemeinde muss es sein, andere anzustecken, als Gemeinschaft Gott, den Nächsten und sich selbst zu lieben. Einen gemeinsamen Geist zu erleben.
Und Augensalbe?
Es geht, so verstehe ich das, um ein neues, gesundetes Sehen, wieder die Augen zu öffnen für das, was dran ist. Zu sehen, dass es eigentlich nur um dieses geht, und deshalb hat es Jesus zusammen gefasst: Gott lieben, den Nächsten lieben, sich selbst lieben – darin ist alles enthalten. Und daran werdet Ihr gemessen, als einzelne und als Gemeinde. Ganz praktisch gemessen, sozusagen mit den Füßen: Setzt Ihr das um - Gott lieben, den Nächsten lieben, sich selbst lieben - kommen Menschen von selbst, gerne. Und setzt ihr es nicht um, dann bleiben sie weg oder kommen gar nicht erst.
Gott lieben, den Nächsten lieben, sich selbst lieben – ganz einfach und deutlich. Das heißt aber, dass wir dann auch mehr sehen als nur uns selbst, unseren eigenen Glauben, unser eigenes Leben. Die Menschen unserer Umgebung. Wie geht es ihnen, was brauchen sie. Wir sollen sie mit dem Blick der Liebe sehen und zugleich mit dem Wunsch, ihnen den Glauben an Jesus Christus zu bringen. Nicht mit dem Vorschlaghammer, sondern mit uns selbst, mit unsere Beispiel, unserer Liebe, Hoffnung, so dass sie fragen: was macht dich so zuversichtlich, fröhlich, gelassen.
Man kann sehen und beklagen, wie sehr sich die Menschen und damit unsere Gesellschaft verändert hat, und wie lieb gewonnene Formen des Glaubens bedeutungslos werden. Man kann aber auch sehen - und sich fragen: wie helfen wir den Menschen diese Zeit?
Es ist erstaunlich, dass gerade an dieser Stelle einen Ruf zur Umkehr zu
hören: So setze nun alles daran und kehre um! (V. 19), sagt Gott. wörtlich: denkt um! Als Gemeinde: Umkehren, umdenken.
Die Gesellschaft um uns herum hat sich geändert. Suchen wir die Insel der Seligen, wollen wir selbstgenügsam das uns Gewohnte weiter behalten? Es gibt einen Satz, der lautet: „Wer will, dass die Kirche so bleibt sie ist, der will nicht, dass sie bleibt. Sie wird vergehen. Wer aber will, dass sie bleibt, der will nicht, dass alles so bleibt!“
In Laodicea, an diese Gemeinde richten sich die Worte Gottes, war es so, dass die Gemeinde auf sich selbst fixiert war und selbstgenügsam wurde. Aber das muss ja nicht zwangsläufig so sein. Denn Gottes Geist wirkt, wo und wie er will. Er hat die Kraft, Menschen in einer Gemeinde so zu bewegen, dass die ganze Gemeinde in Bewegung kommt.
Wenn wir diesen Weg schon miteinander eingeschlagen haben, teilweise, vielleicht nur in den Anfängen - dann lasst uns diesen Weg immer wieder weiter gehen! Bitten wir um Gottes Geist, dass er uns noch mehr sehen und erkennen lässt!
Das ist der Rat, den Johannes uns gibt. Symbolisch gesprochen: Augensalbe zum Sehen erwerben, indem wir auf Gottes Wort hören und uns von seinem Geist neu leiten lassen.
Ein lohnendes Leben ist uns verheißen, kein sinnloses und vergehendes Leben, dessen Zeit irgendwie mit Medien oder anderem totgeschlagen werden muss. Ein Leben ist uns verheißen, ein erfülltes und einmal bleibendes Leben. Auf dem Weg dorthin ist uns die Gemeinde gegeben, zur Begleitung, zum Glauben, zur Korrektur, als Hilfe und Ort der Gemeinschaft. Füllen wir sie mit Leben!
Und der Friede Gottes, der größer ist als all unsere Vernunft, bewahre unser Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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